Cantare Repelen Die Innovation des vokalen Musizierens aus Moers-Repelen

Cantare 2020 – Eine Dokumentation

Das Erfolgskonzept „Mein Chor im Jahre 2020“

Oftmals habe ich hier über mein Nachwuchskonzept „Mein Chor im Jahre 2020“ geschrieben und über Erfahrungswerte berichtet, die sich bei der Umsetzung ergeben haben. Leider lag mir zu diesem Zeit nur Fotomaterial zur Verfügung. In zahlreichen eMail’s wurde mir von vielen, vielen Interessenten gesagt, dass diese Ideen sehr gut, aber nicht umsetzbar seien.

Nun bin ich in der Lage, die Umsetzung mit Video-Dokumentationen am Beispiel des früheren „Frauenchores 1965 Repelen“ zu belegen und zu erläutern. Ich danke an dieser Stelle dem gesamten Management sowie den Sängerinnen für das Vertrauen und die Offenheit, Marliese Brinkmann und mir bei der Umsetzung vertraut zu haben und diesen Wandeln mit in Richtung „sorglose Zukunft“ zu vollziehen. Doch beginnen wir mit den ersten Schritten:

Frauenchor Repelen 1982

Im Januar 1982, also vor 30 Jahren, übernahm ich die musikalische Leitung dieses stattlichen und großen Frauenchores Repelen 1965 e.V.. Zu diesem Zeitpunkt brauchten sich die Verantwortlichen keine Sorgen um Nachwuchs zu machen, da zwar die ganz jungen Sängerinnen schon fehlten, aber es war ja trotzdem genügend Substanz vorhanden. Eine Situation, die in vielen Chören aller Gattungen zu dieser Zeit vorzufinden war. Konzerte waren gut besucht, Wettbewerbe und Leistungssingen aller Stufen wurden sehr erfolgreich absolviert. Warum also sollte man sich Sorgen machen? Was wir in dieser Erfolgswelle nicht bemerkten war, dass unsere Sängerinnen langsam aber sicher älter wurden. Ja, es war schon fast eine Form von Arroganz und Ignoranz, weil wir übersahen, dass ja auch wir älter wurden und dieses sich öffnende Loch des fehlenden, wirklich jungen Nachwuchses nicht bemerkten. Auch bemerkten wir nicht, dass unsere Konzertbesucher diesen Wandel auch vollzogen. Immer weniger junge Menschen waren bei den Besuchern unserer Konzerte zu finden. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt nicht begriffen, dass auch die Zuhörer unserer Konzerte auch einen musikalischen Wandel durchlebt hatten und so nur noch aus Wohlwollen zu uns kamen.

Namensänderung in Cantare Repelen

Eine erste, damals wirklich gute und weitreichende Änderung, war die Namensänderung von Frauenchor 1965 Repelen e.V. in Cantare Repelen. Unser Anliegen war, dass wir einmal das Wort „Chor“ aus unserem Namen verbannen und einen kurzen und prägnanten Namen mit einem hohen Wiedererkennungswert wollten, also eine „Marke“. Schnell merkten wir, dass man in unserem Umfeld nur noch von „Cantare“ sprach und jeder wusste, wer und was gemeint war. Ein zu der Zeit waghalsiger Schritt in Richtung Zukunft, der aber nur eine geringe Wirkung hinsichtlich Nachwuchs bewirkte.

So änderten und erweiterten wir auch unsere musikalische Ausrichtung in Richtung „musikalischer Wiedererkennungswert“ zum unserem Publikum, was erste Erfolge, aber auch neue Probleme beinhaltete. Unsere neuen Sängerinnen wie auch das Publikum waren begeistert, während die älteren Sängerinnen mit der Fremdsprachigkeit große Probleme bekamen und diese Literatur nur mit großen Widerwillen sangen bzw. den Chor verließen. Was tun, war die große Frage. Die Chöre in unserem Umfeld wie auch überregional, die all diese Probleme noch nicht erkannt hatten, belächelten unsere damaligen Sorgen und dokumentierten ihr Unverständnis. Viele davon sind allerdings heute nicht mehr existent und mussten ihre Aktivitäten inzwischen einstellen.

Erschreckend aber war für uns festzustellen, dass sich die Schwerpunkte der Vereinstätigkeit in großer Wichtigkeit verlagerten von der Musik in Richtung Vorstandsarbeit (heute würden wir sagen „Vereinsmeierei“). Die Chorleiter stellten sich schnell auf diese Situation ein und folgten willig den musikalischen Vorstellungen der Vorstände, die Musikbeiräte, Musikausschüsse und ähnliches installierten, obwohl es musikalische Laien waren und dort jegliches Beurteilungsvermögen in Richtung musikalisch weiterentwickelnder Arbeit fehlte; aber das Geld stimmte. Daraus ergaben sich erste, schlimme Darstellungen in der Öffentlichkeit. Das war etwas, was wir in keinem Falle wollten.

Das Erfolgskonzept „Mein Chor im Jahre 2020“

So entwickelte ich 2007, aufgrund meiner mittlerweile bundesweit gemachten Erfahrungen, das in Rede stehende Nachwuchskonzept „Mein Chor im Jahre 2020“. Viele Beobachtungen ließen mich zu der Erkenntnis kommen, dass die Schere zwischen jung und alt in vielerlei Hinsicht sehr weit auseinander war und ist. Man kann und konnte, um bei diesem Bild zu bleiben, diese Schere nicht mehr schließen. Jede Generation hat prägnante Merkmale, die nicht kompatibel sind zu jeweils anderen Generationen ohne hier etwas oktroieren zu wollen. Dies gilt auch für den Musikgeschmack und für eine Leistungsbereitschaft.

In einer gemeinsamen Mitgliederversammlung wurde die Umsetzung dieses Konzeptes besprochen. Argumente wie „Chor im Chor“ oder „die Alten sollen jetzt ausgegrenzt werden“ wurden heftigst und sehr emotional diskutiert, weil eigentlich niemand wusste, wo diese Reise hingehen sollte. So wurde beschlossen, erste Schritte einmal „probeweise“ umzusetzen um zu sehen, wie sich diese neue Struktur bewähren und darstellen wird. In einem zweiten Schritt soll dann der Vorstand in ein tatsächliches Management in deutlich reduzierter Form umgewandelt werden. Entspannt und kreativ wurde es bei allen Beteiligten, als es um die Namensgebung der neuen Formationen ging. Der Name „Cantare Repelen“ blieb der Oberbegriff und wurde zu einer „vokalen Holding“, während sich zunächst drei Formationen bildeten:

DaCapo, die Seniorinnen
Collegium Vokale, die Klassischen
Musical Collection, die Junggebliebenen

Schon nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass alle geäußerten Befürchtungen nicht zutreffend waren. Unsere Seniorinnen fühlten sich wieder wohl mit der für sie ausgesuchten Literatur. Wichtig war ihnen, dass es keine Leistungsschmälerung geben sollte und durfte. Schnell kam die Erkenntnis, dass die Stimme auch im Alter keine Einschränkungen erfuhr, wie es vielerorts durch Chorleiter und sonstige Organisationen glauben gemacht wird. Das Gegenteil ist der Fall! Es entwickelte sich ein vollkommen neues, viel stabileres Selbstbewußtsein in dieser Formation.

Hier eine Aufnahme aus der jüngsten Vergangenheit, wie sich Cantare-Repelen – DaCapo heute (Alter von 60 bis 90 Jahre) heute darstellt. Es wird immer noch mit viel Spaß und Freude auf einem hohen Niveau gesungen. Eigenständig präsentiert sich „Cantare-Repelen – DaCapo“ mit zwei Konzerten jährlich. Hinzu kommen aber noch soziale Aufgaben, die da sind: Betreuung kranker Mitglieder, Babysitting bei den Familien jüngerer Chormitglieder, soziale Singen in Altenheimen und Krankenhäusern etc..

Hier singen viele ältere Damen, die plötzlich wieder eine neue Aufgabe bekommen und merken, dass sie in vielen Lebenslagen gebraucht werden und das von vielen Menschen. Von den ursprünglichen Bedenken, man wolle sie ausgrenzen, wollen sie heute nichts mehr wissen und sind froh diesen Weg mit uns gegangen zu sein.

Wichtig bei der neuen Konzeption war uns, dass jedes Mitglied nach Wunsch sich in alle Formationen einbringen und die Literatur singen kann, die es gerade in einer entsprechenden Konzertausrichtung musizieren möchte. Es gibt also keine starre und einseitige musikalische Ausrichtung mehr, wie wir es von tradierten Chören her kennen. Die einzige Bedingung dabei ist, dass Interessenten die Eingangsvoraussetzungen erfüllen und sich derer bewusst sein müssen. Damit werden Probleme, wie beispielsweise das der Fremdsprachigkeit, im Keim erstickt und kommen gar nicht mehr erst auf. Eine weitere Lösung, die sich jetzt über fünf Jahre positivst bewährt hat.

Das „Collegium Vokale“ beschäftigt sich ausschließlich mit klassischer Chormusik. Uraufführungen, gehobene Werke der klassischen Literatur, anspruchsvolle Volksliedsätze in homophoner, strophisch variierter und durchkomponierter Form werden, durch dieses mehrfach als Meisterchor ausgezeichnetes Ensemble, auf möglichst hohem Niveau in Konzerten bzw. in Wettbewerben und Leistungssingen einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Hier ein Beispiel:

Da pacem Domine – Charles Gounod
Die Blümelein, sie schlafen – arr. by Michael Schmoll
Der Mond ist aufgegangen – arr. by Hermannjosef Rübben

Anders das Ensemble „Musical-Collection“. Hier liegt die musikalische Ausrichtung bei der Rock- & Popmusik sowie bei aktuellen Musicalproduktionen. Mit großem Enthusiasmus und viel „Soul“ bereiten alle Teilnehmer die schon zur Tradition gewordene Neujahrs-Show zum Beginn eines jeden Jahres ein. In aller Regel ist diese Show ganz schnell ausverkauft. Inhalte werden zu Jahresanfang immer wieder neu festgelegt, wie z.B. für 2013 „Michael Jackson – Bon Jovi – Queen – Withney Housten“. Sehr eng arbeitet unser Vocal Coach mit amerikanischen Arrangeuren zusammen, da es in Deutschland solche qualitativ guten Bearbeitungen nicht gibt. Ein weiteres Merkmal ist die Arbeit mit Licht- und Tontechnik sowie die Arbeit mit Halbplaybacks. Bilden Sie sich selber eine Meinung:

http://www.youtube.com/watch?v=Acw8uROpLdY
You raise me up – arr. by Roger Emerson

Durch ein Casting ermittelt werden die Mitglieder der „New Generation“. Das sind unsere „hauseigenen Solisten“, die neben verpflichteten repräsentativen Stars solistisch unsere Shows bereichern. Dies bezieht sich aber nicht nur auf die Formation „Musical-Collection“ sondern auch auf alle anderen Formationen. Neben diesen Aufgaben bilden die vier Besten die jeweilige „Vocalband Voicemail“ (Soloquartett) des jeweiligen Castingjahres. Auch diese jungen Menschen können, wenn sie es wollen, in den unterschiedlichen Formationen mitwirken. Diese Chance wird von vielen genutzt, um sich stimmlich weiterzubilden und andere musikalische Erfahrungen zu machen. Dies orientiert sich aber an der jeweiligen Aufgabenstellung.

http://www.youtube.com/watch?v=Q03zxicDgVw
Out here on my own – aus dem Film Fame


Gold von den Sternen – aus dem Musical Mozart

Unsere Liedergärten

Zum Abschluss haben wir noch unsere Liedergärten. „Toni singt“ ist eine Früherziehung für Kinder ab 18 Monaten. Für mich ist es das Beste, was für Kinder an musikalischer Frühbildung durch die Professoren Michal Schmoll, Heike Arnold Joppich geschaffen wurde. Wenn Sie dem vorstehenden Link folgen, werden sie alle Informationen dazu erhalten, die Sie benötigen. Seit 2007 setzen wir auf „Toni“ aus vielerlei Gründen, die sich bewährt haben. So kommen auch junge Mütter zu uns, die auch in den unterschiedlichen Formationen mitsingen wollen.

Ein alles entscheidender Punkt zur Umsetzung einer solchen Konzeption ist die Besetzung des musikalischen Leiters oder wie es bei uns heißt, des Vocal Coaches. Von ihm wird große und umfassende Literaturkenntnis, große musikalische Vielseitigkeit und ständige Fortbildung in den unterschiedlichsten musikalischen aber auch chorischen Bereichen verlangt und erwartet. Der herkömmliche Chorleiter kann diesen neuen und vielseitigen Aufgaben nicht gerecht werden. Der Umgang mit Licht- und Tontechnik, Mikrofonierung, Einsatz von Monitoring bzw. Inearing, Erarbeitung einer Lichtchoreografie, die Kenntnis der einzelnen dafür erforderlichen Gerätschaften und den Umgang damit, gehören ebenfalls zu seinen Aufgaben. Es nutzt absolut nichts eine entsprechende Firma zu engagieren und zu sagen: „Macht mal!“

Auch der frühere Vorstand, der bei einer solchen Umsetzung zum wirklichen Management wird, muss sich darauf einstellen, dass zunächst eine Menge Arbeit in den unterschiedlichsten Bereichen zu bewältigen ist. Es ist aber eine Arbeit, die sich lohnt und viel, viel Freunde macht. Mit jeder Probe, mit jedem Konzert, über viele Rückmeldungen erfährt man das, was über lange Jahre vermisst wurde. Die Zukunft rückt wieder in greifbare Nähe, was ein Gefühl großer Zufriedenheit gibt.

Ein wichtiger Kommunikationsknotenpunkt, in vielerlei Hinsicht, ist eine fundierte gemachte und wirksame gestaltete Webpräsenz, die viele, auch für den internen Bereich, viele Möglichkeiten bietet. Unsere Erfahrungen hat gezeigt, dass viele Anbieter diesen Anspruch zwar vorgeben, ihn aber aus unserer Sicht nicht erfüllen. Dazu zählen auch Angebote, die uns ChorVerbände machen. Wir haben diese Angebote sehr intensiv geprüft und sind zu dem Schluss gekommen, dass diese langfristig zu teuer sind und den eigentlichen Zweck absolut nicht erfüllen. Deshalb haben wir uns für Chorius entschieden. Für uns ist „Chorius“ das Optimum, was wir für unsere Arbeit benötigen und zudem preislich gut vertretbar. Herr Brock ist selber Sänger und kennt unsere Szene von innen und von außen, was uns bei der Umsetzung sehr geholfen hat. Wichtig ist hier, dass über ein Layout eine individuelle Marke erkennbar wird, was bei solchen Angeboten nicht der Fall ist.

Nachdem wir nun diese Formationen in unsere vokale Holding installiert und gesichert haben, liegen uns noch zwei Bereiche am Herzen: Die Kids und die Männer! Als nächstes wollen wir in 2012 eine Formation „Men Voices“ ins Leben rufen. Zielgruppe sind junge bzw. jung gebliebene Männer, die sich mit der Literatur beschäftigen werden, die auch ihnen Spaß macht. Die Vorbereitungen hierzu laufen und es gibt schon einige Anfragen, wann es denn los gehen wird.

Sie sehen, das Singen ist noch lange nicht „out“! Wir müssen uns mit unseren Chören nur auf die heutige Zeit einstellen und dürfen nicht nur trauernd zurückblicken. Die Zukunft bietet so viel Schönes, dass, wenn wir einen solchen oder ähnlichen Weg nicht gehen würden, wir uns an unserer Jugend versündigen würden. Wir, damit meine ich „Cantare-Repelen“, haben unsere „Hausaufgaben“ für die Zukunft unseres ehemaligen Frauenchores 1965 Repelen e.V. gemacht und machen sie noch weiter. Dafür machen uns unsere neuen Aufgaben und die damit verbundenen Erfolge viel zu viel Spaß. Wir präsentieren uns ständig innerhalb eines Jahres regional und überregional einer breiten Öffentlichkeit mit den unterschiedlichsten musikalischen Ausrichtungen einem unterschiedlichen Publikum. Wir haben ständig für unsere Besucher neue Überraschungen bereit. Zudem haben wir für die unterschiedlichsten Medien immer wieder neue Nachrichtenwerte bereit, die für die allgemeine Bevölkerung interessant sind.

Hermannjosef Roosen

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